U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-2, Trial Transkript, S. 49316-49361
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-2, Trial Transkript, S. 49316-49361
ReferenceDMP.000-50-5-2.49316
Content descriptionSeite: 49316-49361, Dr. Rolf Von Busch-Waldeck ist Zeuge der Anklage, er lebt in Wien, ist Arzt und ist derzeit Übersetzer für den Staat Österreich. Er ist 42 Jahre alt und Deutscher. Er kennt Schmutzler, Stier und Hollriegl mit Namen, außerdem Nitschke vom Gesicht her. Busch-Waldeck kam am 4.8.1943 als Häftling nach Wr. Neudorf und blieb bis zum Evakuierungsmarsch dort. Er hatte vor seiner Verhaftung sechs Semster Medizin in Bonn studiert und nach Kriegsende in Wien fertig gemacht. Er arbeitete in Wr. Neudorf zunächst ganz normal mit Schaufel und Pickel, später wurde er Blockschreiber, später wurde er Revierschreiber. Er berichtet von Mißhandlungen durch Lamm, Hollriegl, Tuntke und Lehnert, Lagerführer war Schmutzler. Er beschreibt die Entwicklung des Lagers im Laufe der Zeit. Es geht um die Ernährungssituation in Wr. Neudorf - zu wenig Kalorien sagt Busch-Waldeck. Er erklärt die medizinische Versorgung in Wr. Neudorf - regelmäßige Gewichtsmessung, Berichte an Mauthausen, etc. Rund 40 Häftlinge starben eines gewaltsamen Todes in Wr. Neudorf, weitere 247 während des Marsches, sagt er weiter. Er schildert einige der Todesfälle im Lager im Detail - ein Pole im Zaun namens Janek, ein Toter weil er nicht im Revier behandelt werden durfte. Die Todesmeldungen erstellte der polnische Arzt Sobeski oder Busch-Waldeck selbst, unterschrieben wurden sie von Schmutzler oder Dr. Plaettig. Er erzählt von 14 Häftlingen mit TBC, die im Jänner 1945 nach KLM zurückgeschickt wurden - bei extremer Kälte. Busch-Waldeck intervenierte, er bekam von Messe-Unteroffizier Rasch eine Decke für jeden Häftling, dennoch starben sieben der 14 Häftlinge auf dem Transport. Auf Befehl von Schmutzler kamen viele Häftlinge die Prügelstrafe, ausgeführt von Lamm, Tuntke, HOllriegl und Kalduhn (sic), Lehnert. Busch-Waldeck beschreibt noch die Verbrechen eines Kapos namens Otto Voss. Ab Winter 1944-1945 gab es ein Kommando namens Luftkriegeinsatz, es musste die Verwüstungen nach Luftangriffen auf Wien beseitigen. Busch-Waldeck schildert die Stunden vor dem Beginn des Evakuierungsmarsches, als noch sieben Häftlinge umgebracht wurden, die nich marschfähig waren. Schmutzler, Stier und Tavs leiteten den Marsch. Busch-Waldeck und Sobeski mussten bei den erschossenen Häftlingen den Tod feststellen - erschossen wurden sie von den Hundführern. Er berichtet weiter von den Vergehen von Stier. Dieser schrie die Häftlinge an und befahl den Wachen, sie zu schlagen oder zu erschießen. Ein Häftling namens Wisniewski wurde erschossen. Schmutzler wurde von den Häftlingen unterschiedlich beurteilt, jene von denen er sich etwas erwarten konnte, hatten es besser. Schmutzler hat in Wr. Neudorf befohlen, Blumen vor den Baracken zu pflanzen. Die Häftlinge bekamen für ihre Arbeit im Lager drei bis zehn Euro. 14-tägig wurden Berichte verfasst, von Herrn Brombe, der Ziereis unterstellt war. Es gab rund 400 bis 450 Tote in Wr. Neudorf, die Leichen wurden nach Wien ins Krematorium gebracht, erklärt Busch-Waldeck. Der SS-Lagerarzt bestimmte, wer gesund genug für die Arbeit war, doch weil die Arbeitskräfte so knapp waren, mussten auch Häftlinge aus dem Erholungsblock frühzeitig wieder arbeiten. Schmutzler habe sich kaum um das Lager gekümmert, sei aber auch nicht an Erschießungen beteiligt gewesen. Busch-Waldeck selbst hat die Totenscheine ausgestellt und weiß daher von den rund 40 unnatürlichen Todesfällen. Ein SDG namens Ullman wird erwähnt im Zusammenhang mit einem Transport von 14 TBC-Kranken Häftlingen, diese wurden von Franz Janek, dem Wäscherei-Kapo begleitet. Sieben der Häftlinge starben am Transport, erzählte Janek später. Vor dem Beginn des Evakuierungsmarsches teilte Busch-Waldeck Erste-Hilfe-Taschen, doch die SS nahm sie den Häftlingen weg. Während des Marsches gab es dreimal einen Rapport, daher weiß Busch-Waldeck so genau, dass es 247 Tote gab, weitere 30 waren geflohen.
Persons keyword Kurt Emil Schmutzler, Ludwig Stier, Hollriegl, Nitschke, Rudolf Lamm, Hermann Tuntke, Lehnert, Dr. Plaettig, Kalduhn (sic), Ullman, Brombe, Busch von Waldeck, Janek, Sobeski, Otto Voss
SubjectEvakuierungsmärsche, Häftlingsrevier, Nahrungsmittel, Häftlingsverpflegung, Exekution, Luftkriegseinsatzkommando
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