U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-6, Trial Transkript, S. 51328-51380
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-6, Trial Transkript, S. 51328-51380
ReferenceDMP.000-50-5-6.51328
Content descriptionSeite: 51328-51380, Barta ist Zeuge der Anklage, er lebt in Prag, ist 26 Jahre alt und Student. Er war Häftling in Theresienstadt und ab 24.10.1942 bis Oktober 1943 in Mauthausen. Vom 1.10.1943 bis 18.11. war er in Redlzipf, von 18.11.1943 bis 6.5.1945 war er in Ebensee. Ebensee wurde am 18.11.1943 errichtet. Barta arbeitete in der Schreibstube und schrieb dort die Todesmeldungen. Er wird nach einem von ihm verfassten Schriftstück befragt, das Details zu Ebensee enthält. Barta kennt Kramer, dieser war nahezu täglich in der SChreibstube, Euler sah er oft im Lager und Geiger ebenso. Barta erkennt drei weitere Gesichter, jedoch ohne Namen. Barta wird erlaubt, zur Auflistung der Todesfälle ein Schrifstück zu verwenden - er habe selbst Tagebuch darüber geführt, sagt Barta. Er schildert die extrem schlechten Lebensbedinungen - Nahrung, Kleidung, Unterbringung, etc. Aus Mauthausen kamen meist noch relativ kurz in Haft befindliche Häftlinge, deren Zustand sich schnell verschlechterte. Barta wird nach dem Zweck des Lagers Ebensee gefragt, er weiß von der U-VErlagerung und den Waffen, die dort produziert werden sollten. Die Häftlingszahl stieg bis kurz vor Kriegsende auf rund 18000 Häftlinge. Barta erklärt weiter die Anzahl der Toten nach Monaten und erläutert, warum die Todeszahl so stark varrierte. Auch Barta bestätigt die Erschießung einiger Häftlinge durch den betrunkenen Lagerführer Riemer, auch, dass dieser daraufhin von Ziereis versetzt wurde. Es waren 8 Häftlinge und Barta hat deren Namen notiert. Die Todesursachen seien oft fiktiv gewesen. Geiger habe sich kaum gekümmert, der Arzt Dr. Geiger war in den Monaten März, April und Mai 1944 in Ebensee. Im Juni kam Jobst und mit ihm ging die Todesrate deutlich nach unten, sagt Barta. Außerdem sei das Wetter besser geworden, neue GEbäude errichtet worden - darunter auch ein Revier. Ab dem Winter stieg die Todesrate wieder an und nahm ab 1945 durch die Evakuierung der östlichen Lager (Auschwitz, etc.) dramatisch zu, erklärt Barta. Er schildert auch einige der größeren Transporte, die in Ebensee ankamen, einer davon aus Wolfsberg - darin schon 49 Tote auf dem Transport. Im März 1945 nahm Jobst eine Einteilung der Häftlinge in vier Gruppen vor - die starken, die dünnen, die aber noch arbeiten konnten, die leicht Kranken und die HOffnungslosen - das Himmelfahrtskommando, wie Jobst es nannte. Er berichtet auch von groben Mißhandlungen der Häftlinge schon bei der Ankunft - etwa der Transport aus Wolfsberg. Barta schildert auch Details zum Krematorium. Man konnte den Gestank oft riechen. Barta schildert auch die letzten Tage des Lagers und die extremen Zustände die herrschten. Insgesamt spricht Barta von einer Todeszahl von über 8700. Barta schildert eine Vorfall rund um den Italiener Danielo Veronesi: Dieser wollte fliehen, wurde eingefangen und von Riemer und Bühner verprügelt, auch der Hund "Lord" war involviert und biss den sehr jungen Italiener tot. Lagerführer Ganz habe mehrfach klar gemacht, dass es nur gesunde oder tote Häftlinge gebe, aber keine kranken. Barta schildert, wie GEiger einen schwachen Häftling, der von einem LKW gefallen war mit Tritten traktierte und der wenig später starb. Eulers Hund hat zwei Russen zu Tode gebissen, Barta war Zeuge des Vorfallgs im Sommer 1944. Im April 1945 hetzte Euler den Hund (Lord) auf eine Gruppe von Häftlingen auf dem Appellplatz. Kramer sei kein so schlechter Blockführer gewesen, jedoch habe er ebenfalls oft zugeschlagen. Am Tod eines Häftlings war Kramer außerdem beteiligt. Weiters wurde ein junger Russe im MÄrz oder April 1945 wegen Sabotage gehängt. Barta erklärt, dass er viele Sprachen kann und deshalb so lang in seiner Position blieb, die bekam er von Magnus Keller. Er beschreibt Keller als intelligent aber extrem brutal, sie seien keine Freunde gewesen. Barta nutzte seine Position, um den Häftlingen zu helfen. Er bekam täglich eine Liste von den für den Arbeitseinsatz zuständigen Männern Engelhart und Kammler mit der Zahl der benötigen Häftlinge. Gemeinsam mit dem jugosl. Häftling Vinko Bernot stahl Barta öfters größere Mengen Brot aus SS-Beständen. Barta sagt, er sei auch der beste Freund des Häftlingsarztes Rene Quenouille gewesen, es gab auch einen tschech. Häftling namens Pipka, weiters gab es Wetterwald und Debrise. Der Verteidiger versucht, Bartas Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen, wirft ihm vor er habe womöglich höhere Todeszahlen angegeben als es wirklich war.
Persons keywordKramer, Euler, Geiger, Franz Xaver Ziereis, Riemer, Ganz, Drahomir Barta, Vinko Bernot, Magnus Keller, Rene Quenouille, Pipka, Wetterwald, Gilbert Debrise
SubjectLagerschreiber, Lebensbedingungen, Sterblichkeitsrate, Versetzung, Häftlingsarzt, Häftlingsrevier
LevelItem