U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-6, Trial Transkript, S. 51444-51467
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-6, Trial Transkript, S. 51444-51467
ReferenceDMP.000-50-5-6.51444
Content descriptionSeite: 51444-51467, Martin ist Zeuge der Verteidigung, er ist 50 Jahre alt, Direktor der Gaswerke in Innsbruck. Martins Aussage bezieht sich auf Dr. Geiger. Martin war Schreiber des Standortarztes von Mauthausen, Geiger kam im Oktober 1943 nach KLM als SS-Arzt. Martin kam am 19.8.1941 nach Mauthausen und blieb bis zur Befreiung durch die Amerikaner. Er saß im Warteraum des Standortarztes und jeder, der zu diesem wollte, musste durch seinen Raum gehen. Das Büro war im SS-Truppenrevier. Martin hatte die gesamte Korrespondenz über, außerdem die Todesmeldungen. Geiger arbeitete im selben Gebäude, sagt Martin. Geiger arbeitete im Truppenarztzimmer, rechts vom Eingang. In diese Zimmer arbeiteten auch noch andere Ärzte, es befang sich ein Untersuchungstisch und eine kleine Apotheke. Martin sagt aus, dass er Geiger fast täglich sah und dass dieser, im Falle der Abwesenheit des Lagerarztes, auch die Todesmeldungen zu unterzeichnen hatte. Häftlingsarzt MItte 1943 war Dr. Boehmichen, Geiger war von Herbst 1943 bis Anfang 1944 da, dann kam er weg, kehrte nochmals für einen TAg zurück und ward nicht mehr gesehen. Boehmichen war Häftlingsarzt bis April oder Mai 1944, danach kam Dr. Plaettig. Doch Plaettig wurde nach dem Sommer 1944 nach Wr. Neudorf versetzt. Geiger war für die Truppe zuständig, doch weil Boehmichen nicht gerne arbeitete, musste Geiger auch viele Häftlinge behandeln. Martin meint, Geiger sei nicht glücklich gewesen über seinen Posten in Mauthausen, hielt sich von allen fern - auch SS und blieb für sich. Autopsien, das weiß Martin sicher, wurden nur in zwei Räumen des Mauthausen-Komplexes durchgeführt, einer war in Mauthausen und einer in Gusen. Auch andere Häftlinge und die Häftlingesärzte waren bezüglich Geiger mit Martin einer Meinung, dieser sei anders als die anderen Ärzte und nicht glücklich im Lager. Injektionen gab zu Geigers Zeit in Mauthausen nur Standortarzt Entress und SDG Kleingünther. Geiger habe in Mauthausen keine Injektionen verabreicht, glaubt Martin. Er erklärt die Führung der Totenbücher. Insgesamt habe es 13 Totenbücher gegeben, darin fanden sich auch die Todesursachen. Im FAll unnatürlicher Todesfälle musste es einen Autopsiebericht geben. Die Todesursachen stimmten nie. Entress war STandortarzt von September 1943 bis Juni 1944. Martin erklärt, er habe die Totenbücher 1941 und 1942 persönlich geführt, darin habe er bei allen unnatürlichen Todesfällen einen Punkt gemacht, um sie zu markieren. Ab Sommer 1943 wurde in Mauthausen vergast, tschechische Frauen (intellektuelle) machten den Anfang, sie wurden als Rache für den Anschlag auf Heydrich vergast. Während Geigers Zeit in Mauthausen wurde demnach vergast. Die SElektionen nahm Kleingünther vor, außerdem Dr. Boehmichen. Er selbst hat das aber nicht gesehen, da er im Truppenrevier und nicht im Häftlingsrevier sein Büro hatte. Im Jahr 1943 und zunächst auch 1944 wurde die Gaskammer nur einmal monatlich verwendet, erst später, als die Nahrung immer weniger wurde und 10.000e Häftlinge krank waren, etwa ab Oktober 1944, wurden die Vergasungen wöchentlich durchgeführt, außerdem wurde in Hartheim vergast. Insgesamt 8 bis 10 Mal hat Geiger die Funktion von Boehmichen übernommen. Von Häftlingsarzt Podlaha weiß Martin, dass Geiger ins Häftlingsrevier kam, etwas herumschlich, mit den Häftlingen nichts zu tun haben wollte und wieder ging. Während Geigers Diensten gab es keinerlei Injektionen oder andere gewaltsame Methoden im Häftlingsrevier, sagt Geiger. Jedoch nahm er dann die Unterfertigung von Todesmeldungen vor. Der Gaswagen fuhr in der zweiten Hälfte 1944 und nur mit Häftlingen aus dem Russenlager, die davor selektiert wurden. Es ist Martins vierte Aussage in Dachau. Martin erklärt, gegen wen er im Parent-Case ausgesagt hat, er erklärt außerdem, was der Rekonvalesentenblock war (convalescent section). Darin gab es zwei Gruppen von Häftlingen. Es gab die tatsächlich rekonvaleszenten Häftlinge, eine zweite Gruppe war so krank, dass sie bald in die Gaskammer kommen würde. Dorthin kamen auch Häftlinge aus den Außenlagern. Martin erklärt nochmals den Unterschied zwischen Totenbuch und Buch unnatürliche Todesfälle, darin seien die Schützen vermerkt gewesen, dieses Buch sei von der SS geführt worden, nicht von Häftlingen. An die Schießerei mit Riemer kann sich Martin erinnern. Martin weiß nicht, warum Geiger aus Ebensee abgezogen wurde, aber er weiß warum er aus Mauthausen wegmusste: Einmal, als der Standortarzt gerade in LInz war, wurde Geiger zu einer Exekution befohlen - von Ziereis. Danach, als der Standortarzt wieder da war, kam Ziereis ins SS-Revier und schrie herum, Geiger sei ein gelbes Schwein. Er habe sich geweigert, einen Häftling zu erschießen, der nach der Exekution noch nicht tot war. Er drohte sogar mit dem SS-Gericht. Bei Exekutionen bekam Martin die Unterlagen später, sagt er, da sie vorher noch zur politischen Abteilung gingen. Die Datumsangabe der Exekutionen stimmten nie, sagt Martin. Die Ärzte musste innerhalb des Lagers eine Waffe tragen, so war es vorgeschrieben, sagt Martin.
Persons keywordDr. Geiger, Dr. Boehmischen, Dr. Plaettig, Dr. Entress, Kleinguenther, Franz Xaver Ziereis, Riemer, Ernst Martin, Josef Podlaha
SubjectSS-Revier, Häftlingsrevier, Revierschreiber, Selektion, Vergasung, Injektion
LevelItem