U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-8, Trial Transkript, S. 49219-49239
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-8, Trial Transkript, S. 49219-49239
ReferenceDMP.000-50-5-8.49219
Content descriptionSeite: 49219-49239, Befragung des Zeugen der Verteidigung Franz Pernegger (Angestellter der Steyr-Fabriken, Abteilungsleiter). Er gibt an, Transporte im Auftrag des Lagers durchgeführt zu haben, insbesondere transportiete er die zusätzlichen Nahrungsmittel, die Heeß erhielt. Er kennt Heeß seit Frühling 1944. Er transportierte auch die Häftlinge vom Lager zur Fabrik. Sein Fuhrpark bestand aus 28 Fahrzeugen. Für die Transporte des KZ Steyr brauchte er täglich zwischen einen und drei LKWs. Heeß habe sich stets um die Häftlinge gekümmert, ihnen nur 48 Stunden Arbeit pro Woche erlaubt und außerdem seien die Häftlinge mit einem eigenen Zug zu ihren Arbeitsplätzen gebracht worden. Heeß gab ihnen außerdem Boni in Form zusätzlicher Nahrung und in Beträgen von ein bis fünf Schilling. Heeß äußerte Pernegger gegenüber, dass er die Verhältnisse im Lager zu schlecht finde, zu wenig sanitäre Einrichtungen, zu wenig Betten, etc. Dass die Häftlinge nicht mehr zu Fuß in die Fabrik gehen mussten, sondern mit der Eisenbahn oder LKWs transportiert wurden, sei Heeß Verdienst. Am 2. April 1944 gab es einen Luftangriff auf die Kugellagerfabrik, ein Häftling wurde dabei getötet. Der Zug zwischen Fabrik und Lager fuhr ausschließlich dort und wurde für keine anderen Zwecke benutzt. Pernegger war in der Fabrik für Transport zuständig und war der Verbindungsmann zur Eisenbahn. Während die Zivilarbeiter rund 60 Stunden arbeiten mussten, arbeiteten die Häftlinge nur 48 Stunden pro Woche, weil es Heeß so wollte. Produziert wurden Fahrzeuge, Geländefahrzeuge, Waffen und automatische Waffen. In seiner Abteilung arbeitete rund 20 bis 30 Häftlinge, ob auch die anderen Häftlinge in der Fabrik Extrarationen erhielten, weiß Dr. Hiermann von der Sozialabteilung [social department] besser. Die Häftlinge in seiner Abteilung arbeiteten beim Eisenbahnbau und beim Auf- und Abladen der LKWs. Heeß sagte ihm, er wolle den Häftlingen ausreichend Nahrung geben, damit keiner die Flucht versuche. Ein Tiroler sei dennoch geflüchtet und nie wieder gesehen worden. Pernegger sagt, dass die Häftlinge in Steyr wesentlich besser aussahen, als jene in Mauthausen. Die Häftlinge bekamen Prämien für ihre Arbeit in der Fabrik, ob die Firma auch sonst etwas für die Häftlinge zahlen musste, weiß er nicht. Die Häftlinge erhielten Koupons, mit denen sie Getränke, etc. erstehen konnten. In der Fabrik arbeiteten auch Kriegsgefangene aus Russland und Spanien. Es gab in der Fabrik eine Kantine für rund 8.000 Arbeiter. Es gab eine Fabriksküche und drei Lagerküchen. Woher die Nahrungsmitteln kamen, weiß Pernegger nicht. Das Lager mit den Kriegsgefangenen wurde von Wehrmacht bewacht und geleitet, hatte nichts mit dem KZ zu tun. Pernegger war NSDAP-Mitglied ab 18. Mai 1938.
Persons keywordHeess, Franz Pernegger, Dr. Hiermann
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