U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-14, Schriftliche Aussage von Paul Ricken [deu. u. eng.], 13.11.1946, S. 25348-25352
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-14, Schriftliche Aussage von Paul Ricken [deu. u. eng.], 13.11.1946, S. 25348-25352
SignaturDMP.000-50-5-14.25348
InhaltsbeschreibungSeite: 25348-25352, Ricken sagt aus, dass er am 1.9.1939 nach Mauthausen zur Waffen-SS kam. Er sei eingezogen worden. Dann war er bis März 1940 Rechnungsführer bei der Wachkompanie und dann in der Verwaltung. Von März 1940 bis Anfang Februar 1944 war er beim Erkennungsdienst. Dann wurde er nach Leibnitz versetzt, wo er bis Ostern blieb. Beim Erkennungsdienst machte er Fotos von unnatürlichen Todesfällen, füllte die Erkennungsbögen der Häftlinge aus und fotografierte auch Operationen für den Standortarzt. In Leibnitz waren rund 500 Häftlinge aller Nationen. Sie haben einen Stollen für die Rüstungsindustrie gebaut. Ricken kam als Unterstützung für Altfuldisch nach Leibnitz. Als der dann Anfang Mai 1944 wegkam, war er 14 Tage allein, dann kam Miroff als neuer Lagerführer. Im Herbst 1944 übernahm Miroff dann Peggau, blieb aber auch für Leibnitz zuständig. Rapportführer war bis November 1944 der Rottenführer Claus, später Oberscharführer Ritzinger. Kommandoführer war bis Februar 1945 Unterscharführer Glissmann (unter andern). Ricken sagt, er war stv. Lagerführer und musste die Ordnung aufrecht erhalten. Einmal hat er zwei Häftlinge an den Händen aufhängen lassen, um sie zu einem Geständnis zu bewegen, mißhandelt habe er sie dabei aber nicht. Während er in Leibnitz war, ereignete sich dort 6-8 SElbstmorde. Einige SElbstmorde werden wohl Morde gewesen sein, doch er fand keine Hinweise auf den möglichen Täter am Tatort. Am 4.4.1945 befahl Miroff die Lagerräumung, die Wachen wussten damals schon ganz allgemein, dass nicht marschfähige Häftlinge erschossen werden sollen, darüber gab es einen allgemein bekannten Befehl. Doch er nahm alle Häftlinge mit auf den Rücktransport, drei oder vier TAge musste alle gehen, dann requirierte er ein FAhrzeug. Während des Marsches wurden ihm 5-6 Häftlinge als tot gemeldet. Nach etwa 16 Tagen gelangten sie nach Ebensee, dort lieferte er die Häftlinge ab und die Wachen marschierten weiter bis nach Gusen. Danach machte Ricken keinen Dienst mehr.
Personenschlagwort Paul Heinrich Friedrich Wilhelm Ricken, Altfuldisch, Friedrich (Fritz) Miroff, Glissmann, Claus, Ritzinger
SchlagwortDienstort, Erkennungsdienst, Wachkompanie, Evakuierungsmärsche, Dienstunterstellung, Fotograf
LevelEinzelstück