U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-15, Trial Transkript, S. 7483-7502
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-15, Trial Transkript, S. 7483-7502
SignaturDMP.000-50-5-15.7483
InhaltsbeschreibungSeite: 7483-7502, Ludwig Stark war in Wien inhaftiert, bei den AFA-Werken, von dort kennt er den Angeklagten Paul Fenner. Er war Sturmscharführer. Stark war sechs Jahre inhaftiert und ab 1. Jänner 1942 bei den AFA-Werken, dort war Fenner Lagerführer von rund 400 Häftlingen. Als es 1945 einen Luftangriff gab, suchten die Häftlinge Schutz außerhalb des Lagers. Einige Kranke blieben im Lager und stahlen Brot. Einer von den Dieben wurde zunächst an den Händen aufgehängt und später gehängt. Am 1. April kamen die Häfltinge nach Steyr, für den Evakuierungsmarsch hatte Fenner die Verantwortung. Nach drei Tagen stoppte der ganze Konvoi, dabei waren Fenner und der Rapportführer Raahe sowie Mitglieder von SDG [Sanitätsdienstgrade] und SS. Und jemand fragte, was mit einem Häftlinge zu geschehen habe, der nicht mehr gehen kann. Der SDG-Mann sagte, man solle ihn auf ein Fahrzeug legen, doch Fenner sagte er müsse erschossen werden. Während des gesamten Marsches, der rund 9 Tage dauerte wurden viele Häftlinge erschossen. Stark bestätigt dem Verteidiger, dass es auf dem Evakuierungsmarsch ein Erschießungskommando gab, das von Fenner ausgesucht wurde. Die Verteidigung meint, Fenner sei nur Oberscharführer gewesen und nicht Sturmscharführer. Stark kennt auch Streitwieser, doch in den AFA-Werken sei der nie gewesen. Stark weiß aber, dass Streitwieser für mehrere kleinere Lager zuständig war. Ihre Befehle bekamen die Häftlinge aber von Fenner. Stark spricht von einem Zwist zwischen Raahe und Fenner, denn Raahe hatte die besseren Verbindungen zu Streitwieser. Die Verteidigung möchste von Stark hören, dass Fenner wohl die Wachmannschaften kommandiert hat, jedoch nicht Lagerkommandant war, Stark sagt nein. Stark wird nach einem Mann von der deutschen Marine namens Boessel befragt und er sagt, dass dieser für den Evakuierungstransport nur teilweise verantwortlich war, wenn Fenner nicht zugegen war. Er sagt auch, dass es Konflikte zwischen SS und den Marine-Männern gegeben habe. Der Verteidiger möchte jetzt hören, dass Fenner beim Voraustrupp war und nicht bei den Häftlingen, doch Stark verneint das, Fenner habe die Befehle gegeben. Immer wenn ein Häftling nicht mehr gehen konnte, wurde er auf den Handwagen hinter der Kolonne aufgeladen und wenig später wurde geschossen. Die Kolonne wurde von Marine-Soldaten bewacht, die freundlich waren, berichtet Stark weiter. Der Evakuierungsmarsch beinhaltete rund 400 Häftlinge, davon sechs bis acht Deutsche. Bei der Ankunft in Steyr fehlten laut Stark 119 Häftlinge - erschossen, teilweise geflohen, rund 20 bis 25.
AnmerkungenWas bedeutet SDG?
PersonenschlagwortPaul Fenner, Raahe, Anton (Toni) Streitwieser, Bössel, Ludwig Stark
SchlagwortExekution, Konflikt, Evakuierungsmärsche, Marinesoldaten, Dienstunterstellung
LevelEinzelstück