U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-21, Trial Transkript, S. 9334-9354
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-21, Trial Transkript, S. 9334-9354
ReferenceDMP.000-50-5-21.9334
Content descriptionSeite: 9334-9354, Der Angeklagte Otto Friedrich Kleingünther kommt in den Zeugenstand. Er ist 51 Jahre alt stammt aus Asenham in Bayern, hat Frau und vier Kinder. Am 15. Juni 1940 wurde er eingezogen, ab diesem Tag war er in Mauthause bis Juni 1944. In Mauthausen war er bis Juli 1943, dann ging er nach Loiblpass. Danach kam er nach Berlin. Drei oder vier Tage war er auch in Steyr - Urlaubsvertretung. Im Juni 1944 kam er nach Berlin. Kleingünther sagt, er habe mit Inspekteur der KZ, Glücks über seine Versetzung gesprochen und auch mit Dr. Lolling, auch mit Dr. Krebsbach. Er habe keine Injektionen gegeben, weil er es erstens nicht durfte und zweitens nicht in der physischen Verfassung dazu war - wegen einer Kriegsverletzung zitterte er. Er befüllte aber die Spritzen und gab sie dem Arzt. Außerdem verabreichte er Narkosen. Bis 1942 war es verboten, schwerkranken Häftlingen eine Narkose oder ein Medikament zu geben. Im April 1942 kam aus Berlin der Euthanasie-Befehl. In Mauthausen konnten die Totkranken nicht von den anderen Kranken getrennt werden und mussten deren Todeskampf mitansehen. Deshalb war man in KLM erleichtert, als der Euthanasie-Befehl kam. Zunächst gab man Morphium, doch dabei geht der Todeskampf des Häfltings in der Bewusstlosigkeit weiter. Also versucht man es mit Zyanid, doch man sah wenn man das verabreichte schmerzverzerrte Gesichter. Also versuchte man es mit Magnesiumchlorat, dabei bekamen die Opfer entspannte Gesichtszüge. Krebsbach holte immer Kleingünther als ältesten SDG zu den Injektionen. Hätte er sich geweigert, hätte man ihn vor Gericht gestellt und er wäre selbst im KZ gelandet. Bevor es zu einer Injektion kam, wurde der betroffene Häftling vom Häftlingsarzt, dem Lagerarzt und dem Standortarzt untersucht, erst dann wurde entschieden. Krebsbach war mehr ein Verwaltungsmensch als ein Arzt, sagt Kleingünther. Kleingünther sagt, er habe durch seine Erfahrungen im Ersten Weltkrieg schnell erkannt, ob ein Mensch im Sterben liegt. Er habe nicht für möglich gehalten, dass Menschen so sehr leiden könnten, wie sie es in Mauthausen taten. Nicht nur die Häftlingsbehandlung, es gab keine Medikamente, keine Bandagen, keine Kleidung. Kleingünther kaufte selbst Medikamente ein, Bücher und Instrumente von daheim stellte er auch zur Verfügung. Kleingünther wird nach Josef Czuniak befragt, der offenbar im Revier gearbeitet hat. Die Frage, ob Czuniak sich je geweigerte hatte, eine Injektion zu geben, wird nach Einspruch des Verteidigers abgedreht. Czuniak sei nicht in Verhandlung. Der Zeuge Von Posern irre sich, wenn er sagt, Kleingünther habe Kain die Injektion gegeben, das war der tschechische Häftling namens Dr. Rosen oder Dr. Rosener. Kleingünther assisstierte ihm dabei in Block 20. Kain war sehr schwer verletzt - Schusswunde. Der Zeuge Ernst Martin hatte schriftliche Stellung genommen und angegeben, dass er als Schreiber im Revier gesehen hat, wie Instrumente für Injektionen ankamen. Es kam vor dass der Arzt, der die Injektionen vornahm von Raum zu Raum wechselte - immer hin und her. Die Ärzte wechselten sehr oft, Dr. Richter war Kleingünthers Erinnerung nach sogar zweimal Lagerarzt, in seiner Abwesenheit war Dr. Böhmichen zuständig. Bei den Injektionen waren meist einige spanische Sanitäter anwesend, die den Häftlinge beim Auskleiden halfen und auch wussten, wie eine Narkose funktioniert. Dass er, wie Kanduth aussagte, die Verbrennung der gesunden tschechischen Frauen bedauerte, stimmt. Man hätte sie nicht töten müssen, meint Kleingünther, sondern sie auch arbeiten schicken. Kleingünther wurde von Dr. Richter befohlen, die vergasten Frauen von der Gaskammer zum Krematorium zu schaffen. Kleingünther war einmal bei einer Sezierung eines SS-Mannes dabei, der in der Enns ertrunken war. Der Begriff Benzinspritze ist eigentlich falsch, denn es wurde Petroleum-Äther verwendet, der so roch wie Benzin. Wäre eines seiner Kinder totkrank, so würde er es sicher selbst euthanasieren, sagt Kleingünther abschließend.
Persons keywordKleingünther, Richard Glücks, Dr. Lolling, Dr. Krebsbach, Dr. Richter, Dr. Böhmichen, Roth, Kanduth, Kain, Dr. Rosen [sic, evtl. Rosener], Hans von Posern, Josef Czuniak
SubjectInjektion, Dienstalltag, Euthanasie, Gaskammer, weibliche Häftlinge
LevelItem