U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-21, Trial Transkript, S. 9827-9842
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-21, Trial Transkript, S. 9827-9842
ReferenceDMP.000-50-5-21.9827
Content descriptionSeite: 9827-9842, Johann Kanduth sagt gegen Olf Brandt aus, den er aus dem Krematorium seit 1940 kennt. Kanduth war fünf Jahre im Krematorium, davor im Steinbruch und dem Baukommando. Im Krematorium musste er Feuer schüren, aufräumen, die Leichen in den Ofen schieben und die Asche entsorgen. Im Krematorium waren sie zu sechst. Wohlrab kam ins Krematorium, um die Goldzähne der Leichen zu ziehen bzw. ziehen zu lassen. Das tat er im Kühlraum, wo die Leichen lagen bis Februar 1945. Im Februar 1945 wurden 300 Häftlinge hinter der Küche mit Stöcken erschlagen. Kanduth kennt auch Otto Friedrich Kleingünther sehr gut. Ein Freund von Kanduth war der Österreicher Alfred Kain, der nach einer Befragung fürchtete, erhängt zu werden und flüchtete. Doch er wurde angeschossen und in Block 20 gebracht. Er gab Kanduth ein Foto seiner Frau und seines Kindes, weil er fürchtete, eine Injektion zu bekommen. Anwesend war auch der Blockschreibern Russienik, später Minister in Krakau, und ein polnischer Offizier namens Propavska und fünf oder sechs andere Häftlinge, die schliefen. Als Kleingünther den Block betrat, versteckten sie sich alle und sahen zu, wie Kleingünther Kain eine Injektion verabreichte. Im Jänner oder Februar 1943 musste Kanduth 15 tschechische Frauenleichen verbrennen. Mit den Leichen kam eine Namensliste, auf der Stand "Auf Befehl von Reichsführer-SS Himmler". Obersturmführer Bömingen [sic, auch als Böhmichen zu finden] brachte die Frauen in die Gaskammer und später kam Kleingünther dazu und sie öffneten die Gaskammer. Danach sagte Kleingünther zu Bömingen, man könne aus den Leichen Seife machen, später kam auch Sturmscharführer Roth dazu. Injektionen gab es ab 1941 bis Frühjahr 1943. Alle zwei bis vier Wochen brachte Kleingünther 30 bis 40 kranke Häftlinge ins Krematorium und gab ihnen im Vorraum zur Gaskammer Todesspritzen. Die Leichen mussten dann in den Kühlraum gebracht werden. Am 20. August 1944 übernahmen drei Juden das Krematorium und am 3. Mai sollten Kanduth und alle anderen erschossen werden, doch die drei Juden und Kanduth versteckten sich. Nach dem 20. August 1944 war Kanduth im Häftlingsrevier und war dort Diener und Bote. Im Revier war Dr. Botlacker [sic, auch als Podlacher oder Podlaha erwähnt] zuständig. Im Krematorium war Franz Sussach sein Kapo, der wurde aber nach Ebensee überstellt. Kanduth trug zunächst einen braunen Winkel als Zwangsarbeiter, später einen roten Winkel. Wenn die Zähne gezogen wurden war auch der Obersturmführer Henkel meist anwesend. Die Leichen blieben drei Tage im Kühlraum, dann durften sie verbrannt werden. Auch Roth brachte teilweise die Goldzähne in die Zahnstation.
Persons keywordOlf Brandt, Otto Friedrich Kleingünther, Bömingen [sic, auch Böhmichen], Roth, Henkel, Johann Kanduth, Alfred Kain, Russienik, Propavska, Dr. Botlacker [sic, auch Podlaha und Podlacher], Franz Sussach
SubjectKrematorium, Gaskammer, Injektion, Dienstbefehl, weibliche Häftlinge
LevelItem