U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-31, Trial Transkript, S. 15289-15324
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-31, Trial Transkript, S. 15289-15324
ReferenceDMP.000-50-5-31.15289
Content descriptionSeite: 15289-15324, Pillixeder ist seit 1922 bei der Kriminalpolizei, er ist Österreicher. Zuerst war er gewöhnlicher Polizist, später kam er zur Kripo und per 1. Jänner 1938 wurde er Bezirksinspektor. Ab 10. November 1941 war er in Gusen bis 10. Juli 1944. Danach kam er zurück nach Linz und Steyr, wo er nach Kriegsende mit dem amerikanischen Sicherheitsoffizier Burke arbeitete. Im April 1946 übernahm ein Beamter aus Wien seine Aufgabe. Pillixeder ist römisch katholisch und blieb das auch während der NS-Zeit. Er war kein NSDAP-Mitglied, aber auf Befehl von Polizeipräsident Dr. Plachholm musste er sich um die Mitgliedschaft bewerben, er blieb Anwärter. Er war nie bei der SS oder der SA. Dass er nicht bei der SS war, war in Gusen kein Vorteil, sagt Pillixeder. Er wollte nicht nach Gusen, wurde aber mit einem Polizeigerichtsverfahren bedroht, in Gusen I trug er eine Wehrmachtsuniform im Rang eines Sturmscharführers. Sein Büro in Gusen war ein Jahr lang die Friseursbaracke, wo er auch schlief, das war nicht im Schutzhaftlager. Da durfte er nur in Begleitung eines SS-Mannes und mit Erlaubnis des Schutzhaftlagerführers hinein, was selten der Fall war. Er arbeitete allein, SS-Oberscharführer Habenicht hatte sein Büro in einer anderen Baracke. Habenicht nahm die Verhöre der Häftlinge vor. Ab 1943 war Pillixeder im selben Büro wie Habenicht. Pillixeders Vorgesetzter war SS-Untersturmführer Schulz, der in Mauthausen war. Im Falle von Selbstmorden schickte er ihm einen Bericht. Pillixeder führte Befragungen von Häftlingen durch, wenn es Unfälle an Arbeitsstellen oder in den Fabriken gab, bei Verkehrsunfällen im Lagerbereich, bei Scheidungen oder Erbschaftssachen. Die Befragungen nahm er mit Übersetzern vor, davor musste er zu besagtem Fall von anderer Stelle einen Bericht bekommen haben, es musste andernorts eine Strafverfolgung begonnen haben. In Mauthausen war er drei bis fünf Mal, um sich Büromaterial zu holen und einmal wegen einer Weihnachtsfeier von Ziereis. Die Aussage von Dr. Washner wird erwähnt und Dr. Opresnig, es geht offenbar um einen Vorfall in Mauthausen in der Zahnarzt-Abteilung . Es geht um einen Transport jüdischer Häftlinge und Polen, bei deren Ankunft Pillixeder, Schulz und der Politagent Hirsch dabei waren. Pillixeder sagt, er war zu besagter Zeit, Ende 1944 anfang 1945 nicht mehr in Gusen bzw. Mauthausen. Eine Liste mit Namen von Häftlingen, die bezüglich ihrer Transportfähigkeit überprüft werden sollten, hat er vielleicht einmal gesehen, sie wurde ihm irrtümlich von Dr. Opresnig übermittelt. Pillixeder wird mit einer früheren schriftlichen Aussage [siehe Seiten 15218-15224] konfrontiert, worin er die Anzahl der Häftlinge in Gusen schätzt und angibt, dass viele vernichtet worden sind. Jetzt sagt Pillixeder, er wisse über diese Dinge nichts, er sei damals bei der Aussage nicht ganz klar im Kopf gewesen wegen einer Verletzung. Dann wird Pillixeder mit einer Aussage von Alois Fallwimmer konfrontiert [siehe Seite 15110], der Häftling in Gusen war. Er wird nach Gabriela Jozewicz befragt, die er nicht persönlich kennt. Ihr Mann war aber Häftling in Gusen [siehe Seiten 15111-15113] und Pillixeder kennt ihn von seiner Arbeit als Kriminalpolizist. Er wird zur politischen Abteilung Mauthausen befragt, sagt aber, dass er darüber nichts wisse, nur dass Schulz der Leiter war. Hätte er sich nicht um die NSDAP-Mitgliedschaft beworben, hätte er weniger Gehalt bekommen und keine Aufstiegschancen gehabt. Wie schlimm Mauthausen und Gusen waren, erfuhr er erst als die Amerikaner kamen, davor habe er davon in seinen drei Jahren in Gusen nichts mitbekommen außer ein paar Gerüchte der Zivilbevölkerung. Während der SS-Zeit wurde er nicht mehr befördert, denn er weigerte sich, politische Umschulungskurse zu besuchen und er wollte die Kirche nicht verlassen. Ziereis und Seidler wollten Pillixeder zur SS bringen, doch er weigerte sich. Im Lager trug er eine Wehrmachtsuniform, was für Unruhe sorgte, also trug er seine Polizeiuniform. Die Aussage von Dr. Wahsner, dass er Häftlinge geschlagen habe, muss falsch sein, denn er sei zu besagter Zeit nicht mehr in Gusen gewesen. Dr. Opresnig, der ihm vorwirft, Todesmeldungen mit falschen Todesursachen unterschrieben zu haben, müsse sich irren. Pillixeder sagt, er hatte nichts mit Todesmeldungen zu tun. Dies könne der ehemalige Häftling der Karteistelle Kasimir Odrobnik bezeugen. Er sagt, er hat nichts mit Geheimdienst-Dingen zu tun gehabt, Odrobnik nahm Übersetzungen vor. Pillixeder wurde am Kopf verletzt während eines Kommunistenaufstandes 1926. Der Befehl, nach Gusen zu wechseln kam nicht aus Berlin sondern vom Polizeihauptquartier von Dr. Zezhenter.
NotesOpresnig ist in Wahrheit Primozic
Persons keywordHabenicht, Franz Xaver Ziereis, Seidler, Schulz, Kasimir Odrobnik (sic), Dr. Wahsner, Dr. Opresnig, Dr. Plachholm (sic), Hirsch, Dr. Zezhenter, Burke, Franz Pillixeder
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