U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-32, Trial Transkript, S. 39221-39947
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-32, Trial Transkript, S. 39221-39947
ReferenceDMP.000-50-5-32.39221
Content descriptionSeite: 39221-39947, Johann Folger ist Zeuge der Verteidigung, er ist 41 Jahre alt und Häftling in Landsberg, Arbeiter aus Deutschland. Er war in Dachau und Gusen I (August 1940 bis April 1945). Er wird zu Gaertner befragt. Dieser sei ein Häftling gewesen, zunächst als Steinmetz, später bei der Feuerwehr - die rückte aus, wenn es Feuer gab oder Bombenangriffe. Es gab zwei Feuerwehrkompanien. Gaertner gehörte zu jener Kompanie, die auch außerhalb des Lagers eingesetzt wurde - Linz, Auschwitz, Honsteden und rund um Mauthausen. Folger war 1945 Kapo beim Stollenbau, die Feuerwehr musste recht oft ausrücken im Jahr 1945, sagt er, wie oft genau, weiß er aber nicht. Gaertner sei nicht für den Tod von drei Häftlingen verantwortlich, die in den Zaun gejagt worden waren, sagt Folger. Der Verteidiger bringt einen Lagerplan als Beweismittel ein, er zeigt offenbar das Bordell von Gusen I. Das Bordell lag nahe des Jourhauses, 15 oder 20 Meter entfernt. Folger wird nach einer gewissen Sofia Dombrowski befragt - sie war Häftling in Gusen I von 1944 bis 1945. Folger sagt, diese Mädchen folgten der SS außerhalb des Lagers zur Arbeit. Sie hatten eigene Quartiere vor dem Lagereingang. Sofia lebten in RAum 4 (er zeigt es auf dem Plan). Der Eingang ins Bordell war durch den Stacheldraht versperrt, nur wenn die Arbeiter frei hatten, war das Tor offen. Bei gutem Wetter konnten die Mädchen auf dem Rasen spazieren gehen. Folger wird zu Glas befragt und zu Block 8, den Glass übernahm. Dieser sei früher ein Schweinestall gewesen. Um ihn herzurichten, bat Glass auch Folger um Hilfe. Beide riskierten damit sehr viel. Glass sei 1945 krank gewesen. Als Folger am 8.4.1945 Gusen verließ, war Glass noch immer krank - Typhus. Folger sagt aus, dass Schroegler Ende 1941 oder Anfang 1942 32 Häftlinge nackt aus dem Revier nach Block 32 brachte, um sie zu baden. Er übergab die Häftlinge dem Arbeitseinsatzführer Kluge und die Türe wurde geschlossen, die Häftlinge wurden umgebracht, Schroegler war aber nicht dabei, sondern unterhielt sich währenddessen mit Folger. Die Tötungen gingen bis April 1942 weiter, verantwortlich dafür war Schutzhaftlagerführer Chmielewski. Mit dabei waren auch der Kapo Van Loosen, Chmielewski selbst sowie Sturmscharführer Jensch [sic] von der Schutzhaftalgerführung, Arbeitskommandoführer Gross und Kluge, Blockführer Becker; Stiegele und Kuehtreiber. Bei einer anderen Gelegenheit wurden alle Häftlinge des Blocks 32 nackt im Freien aufgestellt, einige wurden totgebadet. Damals dabei war Rapportführer Brust, mit seinem jungen Polizeihund. Schroegler war häufig krank, sagt Folger. Die Feuerwehrmänner hatten auch noch die Aufgabe, vor dem Bordell Wache zu stehen in der Nacht, damit keine Häftlinge hineinkamen. Er wird noch einige Details zu Gaertner gefragt. Es gab 10 bis 12 weibliche Häftlinge in Gusen I, sagt Folger. Folger sagt, sie waren von 1942 bis 1945 in Gusen, dann kamen sie nach Mauthausen. Folger kannte sie alle mit Vornamen. Folger erzählt noch einige Details zur RAumaufteilung des Bordells. Das Material, dass Glass gestohlen hatte, um Block 8 zu renovieren, gehörte der Dest, sagt Folger. Schroegler war unpopulär im Lager, weil er im Invalidenblock war und die dort geschehenen Todbadeaktionen ihm angelastet wurden, dabei konnter nichts dafür, sagt Folger. Für das Revier war Dr. Kozinsky zuständig. Alle Männer der Feuerwehr waren im Juli, August und September 1944 weg aus Gusen, weil sie in Mauthausen einen Kurs besuchten, sagt Folger. Sofie und die anderen Mädchen waren für die SS da, ein halbes Jahr lang, danach durften sie wieder gehen, sagt Folger - sie waren aber Häftlinge. Offenbar geht es bei der Sache mit Sofie um eine Aussage von ihr, die von der Verteidigung angezweifelt wird. Offenbar gab es in dem Gebäude der Frauen zwei Bereiche - in einem Bereich waren die Frauen für das Bordell untergebracht, im anderen Bereich Frauen, die für die SS arbeiteten.
Persons keyword Carl Walter Chmielewski, Jensch [sic], Gross, Kluge, Becker, Stiegele, Kuehtreiber, Brust, Johann Folger, Sofia Dombrowski, Van Loosen, Glass, Schroegler, Dr. Kozinsky
SubjectBordell, Feuerwehrkommando, Totbadeaktion, Ausbildung
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