U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-41, Trial Transkript, S. 17086-17126
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-41, Trial Transkript, S. 17086-17126
ReferenceDMP.000-50-5-41.17086
Content descriptionSeite: 17086-17126, Jankowski kennt Sturm seit dem Luftangriff am 25. Juni 1944 aus Linz III. Er war Blockschreiber, Sturm war zuerst Arbeitseinsatzführer und dann Rapportführer. Lagerkommandant war Schöpperle. Jankowski musste jeden Morgen in der Schreibstube der Lagerverwaltung angeben, wieviele Häftlinge auf Arbeit sind und wieviele krank. Jankowski erzählt von einem jungen Polen, der in der Schreibstube von Schöpperle, Sturm und Winkler verprügelt wurde. Danach bekam der Kapo Remi den Auftrag, den Häftling zu entfernen. Später sah er im Leichenraum, dass der junge Pole Spuren einer Erhängung aufwies. Sturm nahm auch einmal eine Selektion vor von Häftlingen, die noch rekonvaleszent waren. Er riss ihnen die Verbände herunter und entschied, welche von ihnen wieder arbeiten gehen sollten. Die mussten bei den Hermann-Göring-Werken arbeiten und es waren noch immer sehr Kranke darunter. Ein polnischer Häftling versteckte sich einmal in der Küche und wurde nach drei Tagen als vermisst gemeldet und wurde aus der Häftlingsliste gestrichen. Später meldete er sich im Revier, er wurde von Sturm geschlagen und von Remi weggebracht, später lag seine Leiche im Leichenraum. Auf dem Appellplatz mussten die Häftlinge oft mehrere Stunden stehen, bei jedem Wetter und auf Anweisung von Sturm. Remi war der Blockälteste von Block 6. Sturm war ein SS-Oberscharführer. Auch dafür, dass die Häftlinge keine Kleidung und Schuhe bekamen, war Sturm als Rapport- und stv. Lagerführer verantwortlich. Es gab zwar Werkstätten im Lager, doch die Häftlinge dort mussten für Sturm oder seine Angehörigen Dinge herstellen, anstatt für die Häftlinge. Zum Beispiel Schuhe für Sturm, das hat Jankowski vom Schuhmacher erfahren. In den Hermann-Göring-Werken gab es Prämien in Form von Zigaretten, doch die behielt sich Sturm ein und kaufte sich damit bei einem Philatelisten in Linz Marken (hat Jankowski von Herbert Jensen erfahren) anstatt Gemüse für das Lager zu kaufen, das in Eferding besorgt wurde. Das hat Jankowski vom Blockältesten Kolowski erfahren. Sturm hatte auch die Kontrolle über die Kantine. Es gab zwei Arten von Bädern. Eine für kranke Häftlinge aus dem Revier und eine für gesunde Häftlinge, die nach der Arbeit nackt dorthin gebracht wurden. Es gab ein Bad gegenüber den Baracken und eines einige hundert Meter entfernt. Die Folge waren Lungenentzündungen, Verkühlungen und oft der Tod, wie auch der Häftlingsarzt Dr. Czlapka ihm bestätigt hat. Jankowski gibt im Kreuzverhör zu, selbst einen Häftling dreimal mit einem Gummi geschlagen zu haben. Dass er sich aber sonst korrekt verhalten hat, beweise die Tatsache, dass er von den Häftlingen zum Präsidenten der polnischen Untergrundbewegung im Lager gewählt wurde. Der Schlüssel für den Leichenraum hing im Revier. Die Leichen wurden von einem LKW nach Mauthausen ins Krematorium gebracht. Sturm wohnte in der Nähe von Linz und fuhr nach Dienstschluss immer mit dem Rad heim. Jankowski hat fast seine gesamte Familie im KZ verloren, auch die Kollegen seiner Untergrundbewegung, er selbst will zu seinem Onkel nach Amerika gehen. Die Todesrate im Lager stieg nach dem Duschen immer stark an. Am schlimmmsten war die Situation von Dezember 1944 bis Februar 1945 in Linz III.
NotesRemi und Kolowski waren Funktionshäftlinge
Persons keyword Hermann Sturm, Schöpperle, Winkler, Anton Jankowski, Remi, Herbert Jansen, Dr. Czlapka, Kolowski
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