U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-42, Trial Transkript, S. 41777-41812
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-42, Trial Transkript, S. 41777-41812
ReferenceDMP.000-50-5-42.41777
Content descriptionSeite: 41777-41812, [Teil 2, erste Teil siehe ab 41762] Der Angeklagte Alois Madlmayr kommt wieder in den Zeugenstand. Lagerschreiber wurde Madlmayer wegen seiner guten Arbeit, das entschied Lagerführer Chmielewski. Das war im Jänner oder Februar 1941. Davor polierte er die Einrichtung des Lagerführers, weil er dafür ausgebildet war. Später war Madlmayr Schreiber für die Baumaterialien, danach war er im Revier als Kranker. Dort blieb er bis Frühling 1942, teils auch als Schreiber, was er bis 27. März 1945 blieb. Dann kam er nach Gusen II. Madlmayr war auch bei Besprechungen dabei, die Chmielewski einberief, da war auch der Lagerälteste Karl Rohrbacher dabei. Die Lagerschreiber mussten zwei bis drei Mal die Woche antreten, um vom Lagerältesten Anweisungen zu erhalten. Dann ist die Rede von einer Mißhandlung im Bad in Gusen I 1942. Damals kam von Chmielewski der Befehl, dass der Lagerälteste alle Blockschreiber zum Bad bringen muss. Dort warteten 20 bis 22 Spanier, die ermordet werden sollten. Doch Madlmayr weigerte sich, da er ja Schreiber im Revier war. Und da übernahm ein anderer Lagerschreiber den Mord eines Spaniers für Madlmayr. Lagerschreiber waren damals Cineyeck, Lisiecki, Glowatzki (der in diesem Fall als Zeuge der Anklage gehört wurde) und Nogay. Weitere Schreiber waren Faliczweski, Kosmala, Vollmer und Kruschka. Madlmayr sagt, alle wichtigen Positionen waren von Polen besetzt, rund 90 Prozent. Er schildert die Ermordung der Spanier, die allesamt in großen Fässern ertränkt wurden. Die Täter waren 24 oder 25 Schreiber. Es gab aber zu wenig Spanier zu ermorden, deshalb durften die Lagerschreiber, die am kürzesten im Amt waren, zurücktreten. Madlmayr erklärt, dass Glowacki falsch ausgesagt habe. Eine Polen namens Karl Frycz gab es damals nicht, es habe bis 1943 im Block immer ein Gleichgewicht von 300 Polen und 300 Österreichern gegeben, später nicht mehr. Madlmayr beschreibt detailliert, wie die Prozedur bei unnatürlichen Todesfällen war und auch wenn ein Häftling nach dem Zählappell, etwa in der Nach starb. Das Totenbuch von Gusen wurde genauso verfasst, wie jenes in Mauthausen. Die Todesmeldung wurde sechsfach ausgefertigt. Eine blieb in Gusen, eine ging nach Berlin, eine in die polit. Abteilung, eine ans Krematorium, eine ins Revier. Madlmayr sagt außerdem zu einer Vergasung im Frühling 1942 in Gusen I und in Gusen II 1944 aus. Das wurde mit Cyanidgift gemacht. Die erste Vergasung betraf ausschließlich Russen aus dem Block 16. Im Totenbuch wurden solche Vergasungen nicht vermerkt aber nach KLM gemeldet. In einzelnen Todesfällen erfolgte schon ein Eintrag im Totenbuch, aber unter falscher Todesursache. Madlmayr erklärt, dass Gusen I ein Arbeitslagerwar für Messerschmitt, Dest, etc. wofür das Lager die Arbeitskräfte stellte. Die Vorarbeiter waren Zivilisten. Der Blockälteste von Block 13 war Richard Grill. Bei Kriegsende gab es viele Fälle von Lynchjustiz sobald die amerik. Truppen die SS-Männer nach Gallneukirchen gebracht hatten. Die Lagerführung übernahm nach Kriegsende der ehemalige Blockälteste von Block 4, Martin Guerken. Nach Kriegsende war es erlaubt, auch ins Lager Gusen I zu gehen. Viele Blockälteste wurden in dieser Phase getötet, doch Madlmayr passierte nichts, er ging noch am 5. Mai heim. Schon am nächsten Tag bekam er eine Arbeit beim Roten Kreuz. Schon ab 1940 hatten polnische Häftlinge eine schwarze Liste mit Männern geführt, die Verbrechen begangen hatten. Beim Verlassen des Lagers standen diese Männer beim Ausgang und überprüften, ob Madlmayr darauf steht. Diese Polen waren von Guerken bestimmt worden und trugen auch Waffen. Während seiner Arbeit beim Roten Kreuz wurde er verhaftet, er arbeitete im DP-Camp und hatte mit vielen Häftlingen zu tun. Madlmayr schildert seine Verhaftung. Er wurde von Florian Gastecki des Mordes in Gusen I beschuldigt. Alles was Madlmayr zugibt, sind mehrere Fälle von Ohrfeigen, die er auch schildert. Madlmayr wurde mehrfach befragt, in den Lagern Kleinmünchen und später auch in Glasenbach. Er beklagt, dass er von den Anschuldigen der Zeugen der Anklage völlig überrascht wurde und auch nicht genug Zeit hatte, sich vorzubereiten. Er arbeitete im Revier mit dem polnischen Arzt Anton Jasinski zusammen und versteht nicht, warum ihn die polnischen Häftlinge so schwer belasten. Jasinski führte Untersuchungen in beiden Lagern Gusen I und II durch. Vom Exerzieren in Block 13 weiß Madlmayr, war dafür aber nicht zuständig, sondern der Blockälteste. Pirner war nur Stubenältester. Von der Entfernung von Goldzähnen weiß Madlmayr, in Zusammenhang mit Pirner hörte er davon aber erst in Dachau. Der Verteidiger konfrontiert Maldmayr mit einer früheren schriftlichen Aussage, wonach die Zeit zu der er nach Gusen II kam, anders angegeben war. Er sagt, das sei ihm erst später eingefallen, dass er erst im März und nicht schon im Februar nach Gusen II gekommen war. Madlmayr kann sich in gusen I an zwei Todesfälle erinnern, einer betraf einen kranken Pfarrer. Ein Totenbuch gab es erst, nachdem das Krematorium fertiggestellt war. Pirner habe nur einmal geschlagen, sagt Madlmayr. Eine frühere Aussage widerlegt das, damals sagte er, dass Pirner vier oder füfnmal geschlagen hatte. [Ende des Gerichstages,Fortsetzung siehe 41816].
NotesCineyeck, Lisiecki, Glowatzki [sic], Nogay, Faliczweski, Kosmala, Vollmer, Kruschka, Madlmayr, Pirner, Folger waren Häftlingsfunktionäre
Persons keyword Carl Walter Chmielewski, Cineyeck, Lisiecki, Glowatzki [sic], Nogay, Faliczweski, Kosmala, Vollmer, Kruschka, Karl Frycz [sic], Madlmayr, Pirner, Folger, Jasinski, Karl Rohrbacher, Richard Grill, Florian Gastecki
SubjectLagerschreiber, Vergasung, Massentötung, Dienstbefehl, Totenbuch
LevelItem