U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-6, Trial Transkript, S. 51808-51860
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-6, Trial Transkript, S. 51808-51860
SignaturDMP.000-50-5-6.51808
InhaltsbeschreibungSeite: 51808-51860, [Fortsetzung der Binzenbach-Befragung]. Binzenbach schildert, wie er einen Häftling schließlich im Wald entdeckte, er stolperte, ein Schuss löste sich. Er schrie den Häftling an, er solle seine Waffe (eine Sichel) fallen lassen, doch er tat es nicht. Da schoss Binzenbach in die Luft und als er auf den Häftling schießen wollte, streikte seine Waffe, da fiel ein schuss von der Seite - es war ein Forstarbeiter. Danach wurde er tote Häftling weggebracht. Inzwischen waren Lagerführer Riemer, der Kapo Keller, der Förster und zwei Polizisten vor Ort. Binzenbach schrieb später einen Bericht, doch sein Kompanieführer meinte, er könne nicht schreiben, dass ein Zivilist den Häftling erschossen hätte, da in diesem Fall ein Zivilgericht den Fall behandeln würde. Stattdessen sei Binzenbach als Schütze vermerkt worden. Deistler war in Binzenbachs Kompanie, war mit ihm aus Mauthausen gekommen. Er war Wachmann, einen Hund hatte er nie. Der Ankläger fragt nach Binzenbachs SS-Karriere. Er kam 1943 nach Oranienburg - er wurde eingezogen, war dann zwei Monate in Dachau zur Ausbildung, dort sah er nie Mißhandlungen, auch das Krematorium sah er nie. Er war zunächst normaler Soldat und bekam im Juli oder August den Rang aus dem 1. Weltkrieg rückwirkend per 30.4.1943 verliehen - SS-Uscha. Dann kam er nach Wr. Neustadt, wo er Wachposten war. Er sah dort, wie der Lagerführer Ganz Häftlinge mißhandelte. Die Wachen durften das nicht tun, betont Binzenbach. Er erklärt, dass er bis zur Bestätigung seines Erhalts des früheren Ranges eine normale Uniform eines SS-Mannes tragen musste. Im Jänner 1944 kam er nach Mauthausen, wo er als Wachposten fungierte, dann für die Wachen zuständig war und ein kleines Arbeitskommando an der Donau führte. Er kontrollierte die Wachen - auch im Wiener Graben. Er schildert die Arbeiten im Steinbruch. Im Lager selbst war er nie, weiß nichts von Gaskammer, Injektionen, etc. Im Jänner 1944 kam er nach Ebensee, da war er bereits Spiess. Als Spiess musste er den Innendienst in der Kompanie versehen. Er machte den Schriftverkehr im Büro, er teilte die Wachen zum Wachdienst ein, zu den Arbeitskommandos, er hatte auf die Sauberkeit in den Quartieren zu achten und er war der Verbindungsmann zwischen den Männern und dem Kompanieführer. In der Armee sage man, er sei die Kompaniemutter und der Kompanieführer sei der Kompanievater. Im Lager versah er keinen Dienst, er musste nur zwei oder drei Mal Häftlinge suchen helfen. Er sah einmal, wie ein Vorarbeiter einen Häftling schlug und stellte ihn dafür zur Rede, meldete ihn und er wurde rausgeworfen - das war in Fingerleiten. Er hörte auch von SS-Oscha. Dunkan von Mißhandlungen. Sonst wisse er nichts von Mißhandlungen, sagt Binzenbach. Der Ankläger konfrontiert ihn daraufhin mit früheren eigenen Aussagen. Er sagt, er habe nie behauptet, dass es keine Mißhandlungen gegeben habe, jedoch habe er sie nicht gesehen. Einen SS-Mann sah er nie schlagen in Ebensee. Er sah aber einmal die Erhängung eines Häftlings auf dem Appellplatz. Binzenbach war auch öfters beim Eingang zum Tunnelbau, wo er mit Hauptmann Engelhardt über die Einteilung der Wachen sprach. Lukan traf er auch öfters. Er sah auch öfters die Häftlinge aus dem Tunnel kommen, einige sahen gut aus, andere weniger. Bei ihm haben sich Wachmänner beschwert, dass die Häftlinge bessere Nahrung bekämen, als sie selbst. Häftlinge tauschten oft ihr Essen gegen Zigaretten und schadeten sich so selbst. Ab Februar war er in Melk und führte ein Arbeitskommando beim Siedlungsbau, wi e er es nennt. Er schildert einige Details zum dortigen täglichen Ablauf. Er sagt, dass er Zeuge der Anklage, Richard Lutze, beim ihm im Kommando gewesen sei und auch dessen Bruder. Anschließend schildert er die Evakuierungsfahrt/marsch von Melk nach Ebensee. Als sie losfuhren, hörten sie, dass die Russen schon in St. Pölten sein sollen. Drei Waggons mit Nahrung hingen hinten am Zug dran. Vor der Abfahrt wurde Binzenbach vom Transportführer Reischenbach angewiesen, ihm auf der Fahrt zu assistieren und vor allem auf die Nahrungsmittel-Waggons zu achten. In Ebensee war Kramer beauftragt, die Häftlinge ins Lager zu eskortieren. Er habe dann von Arbeitseinsatzführer Pribyll die Information erhalten, dass die zunächst für die Tötung ausgewählten Häftlinge nicht getötet worden waren. In Melk hatte es Reischenbach eilig, er wollte noch in die Kaserne zurück, um Frau und Kind zu holen. Reischenbach fuhr dann mit dem Auto nach Ebensee, soweit Binzenbach weiß. Er schildert auch, wieviele Nahrungsmittel für den Transport zur Verfügung standen, keine Getränke. Die Häftlinge flohen aus zwei der Waggone, durch ein Loch in der Wand. Als Reischenbach davon erfuhr, schrie er herum und forderte, dass 40 bis 50 Häftlinge als Strafe erschossen werden sollen. Binzenbach sagt, er fand es sinnlos und dumm, ständig zu hetzen und weiter zu arbeiten, wenn der Krieg ohnehin verloren war. Deshalb sei er nach Melk versetzt worden. Also Reischenbach seine Drohung gegenüber den Häftlingfe ausstieß, war er betrunken.
PersonenschlagwortBinzenbach, Deistler, Riemer, Kramer, Reischenbach [sic]
SchlagwortPersonendaten, Dienstalltag, Flucht, Nahrungsmittel, Wiener Graben, Versetzung
LevelEinzelstück