U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-21, Eidliche Aussage von Ernst MARTIN, S. 9996-10005
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-21, Eidliche Aussage von Ernst MARTIN, S. 9996-10005
SignaturDMP.000-50-5-21.9996
InhaltsbeschreibungSeite: 9996-10005, Martin war im Truppenrevier als Häftling beschäftigt und hat die Totenbücher geführ, später machte er auch Schriftverkehr für den Standortarzt. Kleingünther arbeitete im Häftlings- und auch im Truppenrevier. Das Truppenrevier war früher das Häftlingsrevier und wurde später verlegt. Das Büro des Standortarztes blieb im Truppenrevier. Martin hat gehört, wie Kleingünther den Befehl gab, die Injektionen vorzubereiten. Kleingünther nahm dann die Injektionsflüssigkeit, die in einem Kassenschrank aufbewahrt war, an sich und ging in den Operationsraum. Beim Verabreichen einer Injektion hat Martin ihn aber nie gesehen. Mit dabei war auch Dr. Rieger, der aus Reichenberg stammte und 1943 entlassen wurde. Martin erhielt die Namen der per Injektion getöteten Häftlinge vom Standortarzt. Von Injektionen betroffen waren Häftlinge, die länger als drei Monate krank waren, Häftlinge die positiv auf TBC getestet wurden und auch jene, die an Typhus oder Fleckfieber litten. Die Selektion übernahmen Standortarzt, Lagerarzt oder auch Kleingünther. Kleingünther ließ etwa einen Österreicher mit Lungenkrankheit per Injektion töten, Martin hatte sich beim Lagerarzt Dr. Richter für diesen Mann stark gemacht. Als Martin 1941 nach Mauthausen kam, wurden dort bereits Injektionen gegeben. Das dauerte bis 1943 die Gaskammer fertig war. Außerdem wurden Häftlinge im Gasauto getötet oder nach Hartheim gebracht. Injektionen gaben Krebsbach, Kleingünther und später auch Wohlrab. Bei der Injektion bekam der Häftling eine Narkose und danach die Injektion selbst. Die Häftlinge kamen in Gruppen von sechs bis zwölf Häftlinge, bis alle tot waren dauerte es rund eine Stunde bis anderthalb. Die Leichen wurden vom Leichenträgerkommando in das Krematorium gebracht. Der Schlüssel für die Gaskammer hing im selben Tresor wir die Injektionsflüssigkeit. Kleingünther machte einen Kurs für die Gaskammer und holte nach 1943 oft diesen Schlüssel. Kleingünther holte immer das Gas aus der Apotheke. Kleingünther war dann einige Zeit weg und nahm die Injektionen nach seiner Rückkehr im Winter 1944 wieder auf, auch im Block 20 und im Sanitätslager (Russenlager). Christian Wohlrab war laut Martin ab Ende 1941 oder Beginn 1942 in Mauthausen und wurde dort zum Unterscharführer befördert. Martin selbst schrieb den Antrag für die Beförderung (am 20. April 1942). Martin zweifeld Wohlrabs Angaben zu seinen Dienstorten- und zeiten an. Er besitzt eine Abschrift einer Meldung an den Chef D III in Berlin. Martin erledigte beim Standortarzt alle Meldungen bezüglich Sanitätspersonal, Kranke und Tote an den Chef des Sanitätswesens in Berlin. Wohlrab war ständig im Revier anwesend und sprach auch offen über die Injektionen. Wohlrab soll auch Injektionen in Melk gegeben haben. Olf Brandt war schon im Revier als Martin dorthin kam. Er war Zahntechniker und behandelte Häftlinge mit kaputten Zähnen. Brandt brachte Martin zum Ende des Monats das Gold aus den Zähnen der Toten und Martin musste es nach Wien schicken. Er gbit die genauen Mengen an Gold an, die er nach Berlin geschickt hat. Brandt nahm aber auch Gold für sich selbst, ebenso auch Dr. Henkel, der Leiter der Zahnstation. Unmittelbar neben dem Krematorium befand sich der Sektionsraum. Dort wurden Protokolle aller Häftlinge angelegt, die eines unnatürlichen Todes starben. Brandt sah er auch im Krematorium wie er den toten Häftlingen die Zähne aus dem Mund brach.
PersonenschlagwortOtto Kleingünther, Christian Hermann Wohlrab, Dr. Rieger, Dr. Richter, Eduard Krebsbach, Dr. Henkel, Ernst Martin
SchlagwortZahnabteilung, Injektion, Häftlingsrevier, Krematorium, Gaskammer
LevelEinzelstück