U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-31, Aussage von Lucien Vanherle, S. 15630-15657
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-31, Aussage von Lucien Vanherle, S. 15630-15657
SignaturDMP.000-50-5-31.15630
InhaltsbeschreibungSeite: 15630-15657, Vanherle übermittelt dem Gericht ein viele Seiten langes Gnadengesuch für Franz Pillixeder. Er wiederholt darin seine Aussagen aus einer früheren Erklärung [Seite 15610-15617]. Außerdem schildert er seine Zeit ab 30. April. Damals sah er in Mauthausen zwanzig weiße LKWs des Roten Kreuzes, die Häftlinge aus Frankreich, Belgien, Luxemburg nachhause brachten. Vanherle selbst verließ Mauthausen am 19. Mai ebenfalls mit einem RK-LKW. Er erklärt weiter, dass Pillixeder der Nachfolger des an Typhus erkrankten Karl Kraus als Kriminalsektretär in Gusen gewesen sei. Die Aussagen bezüglich Pillixeder von Wahsner und Opresnig seien falsch. Odrobny habe für Kraus, Pillixeder und Mayerhofer übersetzt. Pillixeder habe seine Anweisunge weiterhin von der Polizei in Linz erhalten und nicht von der Lagerkommandantur. Wer vor Pillixeder zu Aussagen zu erscheinen hatte, entschied Habenicht, an den auch alle Berichte Pillixeder ausgehändigt wurden. Vanherle erklärt den genauen Vorgang, wenn es eine Befragung geben sollte, inklusive der jeweils veranwortlichen Personen, insgesamt umfasst die Prozedur zwölf Punkte.Pillxeders Büro war in den SS-Baracken untergebracht, neben der Telefonstelle, wo die Frau von SS-Mann Klein arbeitete. Anfang 1944 brach im Büro der polit. Abteilung ein Feuer aus, daran wurde Vanherle die Schuld gegeben, weil er für die Öfen dort zuständig war. Der SS-Mann Klein bedrohte ihn mit einer Pistole, da kamen Ziereis, Bachmayer sowie Seidler und Beck aus Gusen I. Vanherle wurde von Ziereis brutal befragt, doch Pillixeder fand eine Erklärung des Feuers, sodass Vanherle nicht mehr der Brandstiftung verdächtigt wurde. 1948 traf Vanherle in Mauthausen auf Frau Pillixeder, die ihm Bücher zurückgab, die Pillixeder aufbewahrt hatte und die auch Originaldokumente aus Mauthausen enthielten. Da waren auch der ehemalige Häftling Zahnarzt Albert Colement dabei. Pillixeder verhielt sich den Häfltingen gegenüber immer sehr gut und riskierte, selbst dafür bestraft zu werden, sofern der Leiter der Poststelle, Hauptscharführer Grill oder Lagerführer Seidler ihn dabei gesehen hätte. Vanherle nimmt dann im Detail zu den Aussagen verschiedener Belastungszeugen Stellung, insbesondere zu jenen Opresnigs und versucht ihre Geschichten zu entkräften. Die Todesursachen, die Dr. Vetter angab, waren in neun von zehn Fällen erfunden, die Todesmeldungen mussten von Habenicht, Klein und Klinner an Mauthausen weitergegeben werden. Exekutionen fanden nahe des Krematoriums statt und wurden meist durch Erschießungen erledigt. Bezugnehmend auf Opresnigs Aussage von "Hochheim" [Hartheim] sagt Vanherle, dass er davon noch nie gehört habe, er habe aber von einem gewissen "Schlossberg" gehört, wo medizinische Experimente gemacht wurde. Pillixeder war weder bei SS noch bei GESTAPO. Mißhandllungen in der politischen Abteilung kamen vor allem in jener Zeit vor, als die Deutschen besonders viele Niederlagen gegen die Russen erlitten und deshalb besonders "sensibel" waren, doch Pillixeder war daran nicht beteiligt. Nach der Niederlage in Stalingrad sei die Zahl der Häftlinge stark angestiegen wegen der Rüstungsbetriebe Steyr, Messerschmitt und Heinkel, ab Ende 1944 wurden täglich 150 Häftlinge in Gusten getötet.
PersonenschlagwortKarl Kraus, Mayerhofer, Franz Xaver Ziereis, Bachmayer, Seidler, Klein, Klinner, Habenicht, Johann (Jean; Jann) Beck, Wilhelm Karl (Willi) Grill, Lucien Vanherle, Odrobny, Opresnig, Wahsner, Albert Colement, Franz Pillixeder
SchlagwortDienstalltag, Politische Abteilung, Exekution, Dienstunterstellung, Schlossberg
LevelEinzelstück