U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-41, Schreiben von Dr. Jos. Kessler für Hermann Sturm, S. 17035-17038
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-41, Schreiben von Dr. Jos. Kessler für Hermann Sturm, S. 17035-17038
SignaturDMP.000-50-5-41.17035
InhaltsbeschreibungSeite: 17035-17038, Kessler ist Pallottinerpriester und war selbst von September 1943 bis Mai 1945 in Linz KZ-Häftling. Die Bedingungen waren in Linz einigermaßen verträglich, im Gegensatz zu anderen Lagern, das sei Rapportführer Hermann Sturm zu verdanken. Sturm sei zwar gezwungen gewesen, gegen asoziale Elemente vorzugehen, doch daran sei kein einziges Mal ein Häftling gestorben. Sturm stach unter den SS-Männern positiv hervor. Als das Lager Linz I nach Linz III verlegt wurde, war zunächst der Sadist Kofler Rapportführer und alle wünschten sich, dass es wieder Sturm werden würde. Als er wieder Rapportführer wurde, atmeten die Häftlinge auf. Ein polnischer Häftling wollte einmal seinen Vorarbieter Kotschi mit einer Brechstange angreifen, weil der ihn ständig schikanierte, da brachte ihn der Obersturmführer Weber zu Sturm. Sturm tat dem Polen nichts, sondern versetzte ihn. Dass Sturm besonders jüdische Häftlinge mißhandelt habe, sei nicht wahr, erklärt Kessler. Im Werkbüro des Kommands Schlackenverwertungsanlage der Dest bei den Hermann-Göring-Werken arbeitete lange Zeit ein jüdischer Architekt. Auch in der Schreibstube saß mit Eckert bis zum letzten Tag ein Jude. Ernst Jetter, der ehemalige Lagerälteste, erzählte Kessler, dass der Blockältester Emil Hausermann im Winter 1944/45 Häftlinge trotz ungenügender Bekleidung zur Arbeit ausrücken ließ. Hausermann hatte dabei eine ganze Ladung neu gelieferte Hemden nicht an die Häftlinge weitergegeben. Daraufhin zeigte Jetter Hausermann bei Sturm an. Daraufhin wurde Hausermann in eines der schwersten Kommandos geschickt. An Häftlinge, die keine Pakete bekamen, etwa Russen, gab Sturm dennoch öfters Pakete aus. Kessler selbst war im Winter 1944 schon für den Invalidentransport vorgesehen, doch Lagerschreiber Halemba setzte sich für ihn bei Sturm ein und Kessler durfte bleiben. Sturm habe ihn als Priester auch respektiert, obwohl er diametral andere Ansichten hatte.
Personenschlagwort Hermann Sturm, Schöpperle, Kofler, Weber, Dr. Jos. Kessler, Emil Hausermann, Ernst Jetter, Kotschi
SchlagwortHermann-Göring-Werke, Lebensbedingungen, Misshandlung, Kirche
LevelEinzelstück