U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-42, Trial Transkript, S. 41847-41879
TitelU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-42, Trial Transkript, S. 41847-41879
SignaturDMP.000-50-5-42.41847
InhaltsbeschreibungSeite: 41847-41879, Der Angeklagte Georg Pirner tritt in den Zeugenstand. Er wurde am 15.9.1902 in Nürnberg geboren, ist Metallarbeiter und kam schon am 10. Juli 1937 nach Dachau ins KZ. Er hatte damals gesagt, dass Hitler erschossen gehört und wurde von einem gewissen Grossmann angezeigt, wenig später kam die Gestapo. Im September 1939 kam er nach Mauthausen, im März 1940 kam er nach Gusen I, zu dieser Zeit war er normaler Häftling im Lageraufbau gewesen. Im März 1945 kam er zu einer kämpfenden Einheit, die in Block 16 zusammengezogen uns ausgebildet wurde - mit Exerzieren, Waffeneinsatz, etc. Im April wurden sie dann nach Mauthausen hinter den Bahnhof gebracht. Pirner war ab März 1940 Kapo eines Reinigungskommandos und Stubenältester in Block 13. Das Reinigungskommandos musste die Baracken der Lagerleitung säubern. Zu Beginn waren sie noch in Mauthausen untergebracht und marschierten täglich nach Gusen zum Lageraufbau. Sobald die erste Baracke (Nr. 8) stand, blieben sie dort in Gusen I. Ende 1944 wechselte Pirner den Block und wurde in Block 2 Blockältester. In den Blöcken 1 und 2 waren nur Häftlinge, die in ständigem Kontakt mit der SS standen, etwa Reinigungskommando, Friseure und Köche, SS-Revier, etc. Als Pirner nach Gusen I kam war dort Nagy der Blockschreiber. Er kennt aber auch Madlmayr, Folger und Krause. Pirner kannte die Anschuldigungen von Kowalski vor dem Prozess nicht und kennt auch den Zeugen nicht. Die behaupteten Mißhandlungen, etc. gab es nicht, das hätte der Blockälteste Grill nie zugelassen, der war sehr ruhig. Pirner erzählt über das Exerzieren und erklärt, wann welche Blöcke in Gusen I entstanden sind. Pirner streitet die Aussage von Marciniak ab, er habe nie einen Häftling getötet und ihm einen Goldzahn gezogen. Die SS hatte aber Interesse an Gold, ab 1941 mussten die Häftlinge ihre Ringe, etc. verstecken. Wäre ein Häftling mit Gold erwischt worden, so wäre er schwer bestraft worden. So wurde etwa der Lagerälteste Becker 1943 oder 1944 erschossen, weil er Sachen aus Gold besaß. Krause war SS-Friseur und aß im der Kantine gemeinsam mit den SS-Führern. Pirner wurde erst am 2. Juli 1947 verhaftet - in Erlangen. Dort hat er Frau und ein Kind. Seit er in Haft war, wurde ihm nie etwas vorgeworfen, befragt wurde er nur zu etwaigen Verbrechen Madlmayrs. Pirner gibt zu, dass er und Madlmayr Freunde waren. Dass er oft betrunken war, verneint er. Pirner gibt Ohrfeigen zu, teils hat er sie auch gemeinsam mit Madlmayr verabreicht. Madlmayr wandte in der Kantine auch den Gummiknüppel an, weil die Häftlinge Dinge stahlen und Druck auf ihn machten wegen des Essens. Von der Ermordung der 20 oder 22 Spanier weiß Pirner, war aber nicht dabei. Für solche Dinge seine oft verschiedenen Gruppen des Lagerpersonals herangezogen worden, wie in diesem Fall die Blockschreiber. Mitglieder des Gerichts fragen Pirner noch, wie lange er schon von den Vorwürfen gegen ihn wüsste. Er sagt, erst seit Beginn der Gerichtsverhandlung. Seinen Verteidiger sah er 10 bis 14 Tage vor Prozessbeginn erstmals.
Anmerkungenviele Informationen zu Häftlingsfunktionären - Pirner, Madlmayr, etc.
Personenschlagwort Wilhelm Karl (Willi) Grill, Pirner, Folger, Madlmayr, Kowalski, Krause, Marciniak, Nagy, Grossmann
SchlagwortLageraufbau, Arbeitseinsatz, Massentötung, Infrastruktur
LevelEinzelstück