U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-20, Trial Transkript, S. 8310-8319
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-20, Trial Transkript, S. 8310-8319
ReferenceDMP.000-50-5-20.8310
Content descriptionSeite: 8310-8319, (Fortsetzung) Seidl, so Kanduth, sei er zum ersten Mal 1939 begegnet und - so vermutet er - Ende 1942 oder Anfang 1943 habe dieser das Lager verlassen. Max Seidl sei zu Beginn Blockführer gewesen; 1940 sei er infolge einer Misshandlung - er schlug jemanden zu Boden - strafweise zur Kiesgrube versetzt worden. 1941 sei er Leiter des Bunkers geworden. Dann berichtet Kanduth von einem Vorfall im September oder Oktober 1942: 135 tschechische Fraue seien aus Theresienstadt kommend im Lager eingetroffen und wurden zunächst für drei Tage in den Bunker gebracht - Seidl war zu dieser Zeit Leiter desselben. Plötzlich sei das gesamte Personal dort aufgetaucht und auch das Exekutionskommando. Er habe, so Kanduth, gesehen, dass Seidl die Frauen in Gruppen zu 30 Personen geteilt habe. Auch Altfuldisch und Streitweiser (sic!) seien anwesend gewesen. Seidl habe die Frauen zur Gaskammer geführt; einige Zeit später sei das Personal wieder rausgekommen. Die SS-Angehörigen Altfuldisch, Streitweiser (sic!), Seidl, Ziereis, Wasicke (sic!), Krebsbach seien wieder gegangen und Seidl zurück zum Bunker. Um neun Uhr abends hätten Kanduth und weitere im Krematorium eingesetzte Häftlinge - Ignas, Bukowski, Susak, Frans sowie ein Pole mit dem Vornamen Dadek - die toten Frauen aus der Gaskammer holen müssen. Einige von ihnen hätten auf der Brust eine Kennzeichnung mit einem bunten Stift gehabt. Sie seien auf die Seite gelegt worden und - nachdem der Zahnarzt eingetroffen war - ihnen die Goldzähne entnommen worden. In einen Block seien die Köpfe der Frauen gebracht wirden, wo die Haare abgeschnitten wurden - Kanduth berichtet, es sei nicht erlaubt gewesen, Leichen mit Haaren zu verbrennen. In derselben Nacht seien die Frauen im Krematorim verbrannt worden. Im Zuge des Kreuzverhörs gibt Kanduth noch an, dass Bachmayer die Leitung des Exekutionskommandos bei der Erschießung der tschechischen Häftline (siehe S. 8304-8310) hatte. Auch antwortet er, dass Backmeier (sic!) 1942 Schutzhaftlagerführer und Schultz Leiter der politischen Abteilung gewesen sei und bei jeder Exekution anwesend war. Leffers, so glaubt sich Kanduth zu erinnern, sei beim Elektriker-Kommando ("electrician-detail") gewesen; das wisse er, weil eben dieses Kommando zeitweise im Krematorium arbeitete und dort eine Kühlmaschine in der Leichenhalle installierte.
NotesStreitwieser im Transkript als "Streitweiser" geschrieben; Altfuldisch im Transkript u.a. als "Alfuldisch" geschrieben
Persons keywordMax Seidl, Altfuldisch, Anton (Toni) Streitwieser, Franz Xaver Ziereis, Wassitzky, Eduard Krebsbach, Bachmayer, Schulz, Leffers, Johann Kanduth, Ignas, Bukowski, Susak, Frans
SubjectVergasung, Lagergefängnis, Exekution, Krematorium
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