U.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-49, Trial Transkript, S. 45301-45325
TitleU.S. Army Kriegsverbrecherprozesse zum KZ-Komplex Mauthausen/Gusen am Militärgericht Dachau: Case 000-50-5-49, Trial Transkript, S. 45301-45325
ReferenceDMP.000-50-5-49.45301
Content descriptionSeite: 45301-45325, Der Angeklagte Kurt Paul Wolfram tritt in den Zeugenstand. Er ist 47 Jahre alt, und war ab 4.12.1939 bei der Dest angestellt bis 2.5.1945. Sein Chef war Direktor Walter, der Name der Firma war Deutsche Erd- und Steinwerke Gesmbh, Berlin, Zweigstelle St. Georgen. Seine Zuständigkeit war die Beschaffung unbehauener Steine und er war Zivilist bis 16. Februar 1945. Wegen seines technischen Wissens beakm er von der SS den Rang eines Obersturmführers. Im Jahr 1918 war er bei der Armee. Konkret war er für die Steinbrüche Gusen, Kastenhofen und Bierbauerbruch zuständig. Seine Befehle bekam er von Direktor Walter, der für die sechs Abteilungen zuständig war, dies bei diesen Steinbrüchen gab. Wolfram sagt, er durfte nicht mit den Häftlingen reden, nur heimlich, so dass es die SS nicht sah. Lagerkommandant war Ziereis und in Gusen I zunächst Hauptsturmführer Chmielewski und dann Hauptsturmführer Seidler. Berichte über die Steinbrüche erfolgten an den Schutzhaftlagerführer und gingen durch Wolframs Büro, erstellt wurden sie von Häftlingen dort oder mit ihm selbst. Die Berichte existierten zweifach, einmal gingen sie an den Schutzhaftlagerführer, der vom Kommandoführer auch mündlich informiert wurde, ein Duplikat blieb im Büro von Wolfram. Auch Wolfram selbst verfasste Berichte oder sie kamen aus einer der anderen fünf Abteilungen, die zum Steinbruch gehörten. Wolframs Berichte handelten meist von Diebstählen, geschlagen oder getötet haber er aber niemals einen Häftling. Die Häftlinge schickte ihm Schutzhaftlagerführer Seidler oder der Rapportführer. Als ihm 1940 kranke Häftlinge zugeteilt wurden, beschwerte er sich in Berlin beim Hauptquartier darüber. Er habe sich auch oft bei Seidler darüber beschwert, dass die Kapos die Häftlinge schlugen. Oder er habe das an Berlin gemeldet. Die Anschuldigungen der Belastungszeugen weist Wolfram allesamt zurück. Er erklärt, dass es eine Fehde zwischen Dest und SS gegeben habe bis 1943. Am 1. Mai 1942 wurde der Lagerkommandant auch der Direktor der Arbeiten und bis August 1944 oblag die Aufsicht über das gesamte Personal dem Lager. Wolfram zeichnet eine Skizze, um damit zu erklären, warum der Zeuge Kowalski falsch liegt. Wolfram streitet alle Vorwürfe ab und erklärt, er sei am 2. Mai 1945 entkommen. Wolfram wurde im Juni 1945 inhaftiert und am 31.5.1946 freigelassen. Dann ging er nach Altoettstadt zu seiner Familie (Bayern). Dann eröffnete er einen Steinbruch in Brand (Bayern) mit 80 Angestellten. Wolfram sagt, er wusste 1939 nicht, dass die Dest ein SS-Betrieb sei und nach sechs Wochen wollte er kündigen, doch die Kündigung wurde nicht akzeptiert. Zwei weitere Male schickte er eine Kündigung ab, doch sie wurden abgelehnt und Wolfram wurde zum SS-Reserve-Korps versetzt. 1942 wurde er zur SS einberufen und unter SS-Gerichtsbarkeit unterstellt, er durfte aber seine Zivilkleidung behalten. Ihm unterstanden 1500 Häftlinge. Es brauchte vierzehn Häftlinge, um den Output zu schaffen, den ein Zivilarbeiter erreichte. Es gab nie einen Befehl aus Berlin, dass die Produktivität gesteigert werden sollte. In Dachau war er nur als Zeuge, als 2000 Häftlinge für Gusen ausgewählt wurden. Dabei waren ein Arzt von Krebsbach, der Schutzhaftlagerführer Schultz, Chmielewski und Hauptsturmführer Buerboeck aus Berlin, sie alle suchten die Häftlinge aus, Wolfram war nur Zeuge. Der Arzt selektierte von diesen 2000 noch rund 26 bis 28 Männer aus, die zurückblieben. Der Grund für all das war, dass sich Wolfram in Berlin beschwert hatte, dass der Lagerkommandant von Gusen ihm kranke Häftlinge zur Arbeit schickte. Dieser wiederum verteidigte sich und meinte, dass er selbst von anderen Lagern bereits nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge bekommen habe. Wolfram sah im Steinbruch Mißhandlungen aber keine Morde und Unfälle. Dass die Dest ein SS-Betrieb ist, erfuhr Wolfram erst 1941 und es gab eine Anweisung, wonach das geheim zu halten war. Wolfram verdiente im Jahr 1940 650 D-Mark pro Monat, im Jahr 1944 waren es 700 D-Mark. Das Gehalt kam zunächst aus Berlin, später aus St. Georgen. Wolfram sei am 2. Mai 1945 nicht vor den USA geflohen sondern aus anderen Gründen, dies wird hier nicht näher erörtert, es gibt aber das Beweismittel D-1 und D-1-A dafür. Dabei geht es um Wolframs Flucht und den Plan, die Häftlinge in die Stollenzu sperren und sie zu sprengen. Es wurde von Wolfram eine hohe Produktion verlangt und wenn sie zu niedrig war, verlangte er nach mehr Häftlingen. Wolfram vergleicht die Arbeitsleistung, die im Steinbruch gebracht werden musste mit jener der Steinmetzhallen und jener in den Rüstungsfabriken. Er sagt er wusste am 2. Mai noch nicht, dass die Deutschen den Krieg verlieren würden.
Persons keywordSeidler, Franz Xaver Ziereis, Carl Walter Chmielewski, Eduard Krebsbach, Buerboeck, Kurt Paul Wolfram, Walter, Ronge
LevelItem